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"Lili
und Lu-Freundschaft auf den verhexten Blick" Kinderbuch
von Anita
Radipentz
Taschenbuch,
Format 12x19cm, 80 Seiten ISBN 978-3-939883-05-0 Preis: 9,90 €
Buchillustrationen: Anita
Radipentz
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Inhalt: Die
achtjährige Lili ist schüchtern, traut sich nichts zu und fühlt sich einsam.
Als Lu mit ihrer Familie in die Nachbarwohnung zieht, hofft Lili erst, dass sie
Freundinnen werden. Doch die draufgängerische Lu hat Hexenkräfte und hext an
allem herum, das man nicht sehen oder anfassen kann wie Geräusche, Gerüche und
Gefühle. Lili
und Lu werden beide zu Außenseiterinnen in der Schule und Lu macht Lili mit
ihren Hexereien das Leben schwer, um vor den anderen gut dazustehen. Doch
Lili kann was, was Lu zum Hexen gut gebrauchen kann. Und als die beiden Mädchen
in einer spannenden Aktion gemeinsam einen jungen Vogel vor einer Katze retten,
entdecken sie, dass sie ein tolles Team abgeben und viel voneinander lernen
können.
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Anita
Radipentz ist 35 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und
Zwerghase Wuschel in der Nähe von Ulm. Als Sozialarbeiterin unterstützt sie
Menschen in Selbsthilfegruppen. Sie ist buchstabensüchtig, schreibt und liest
leidenschaftlich gern, zeichnet und singt.
Sie
ist auch in dem Buch "Gute-Nacht-Geschichten
und mehr" unter dem Pseudonym Christina
Peri mit einer Geschichte vertreten
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Textauszug
1. Oma Trudchen fehlt mir so
Dick
bestrich Lili ihren duftenden Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade. Sie rollte ihn
zusammen und biss ein großes Stück ab. Lecker. Ohne Besteck zu essen, schmeckte
gleich doppelt gut. Mama
zog die Stirn in Falten und nannte Lili bei ihrem richtigen Vornamen. „Ach,
Elisabeth, ich wollte noch mit dir besprechen, wo du hingehst, wenn ich nicht
zu Hause bin. Mein Urlaub ist zu Ende und Oma Trudchen“, sie machte eine kleine
Pause beim Sprechen, „ist ja nicht mehr da.“ Lili
hörte auf zu kauen und sah ihre Mutter mit klopfendem Herzen an. Vor kurzem
nämlich war Oma Trudchen gestorben. Sie war nicht die richtige Oma von Lili gewesen,
aber sie war immer für sie da, wenn die Eltern bei der Arbeit oder mal abends
ausgegangen waren. Das ging ganz gut, weil sie in der Nachbarwohnung gelebt
hatte. Lilis
Mutter sprach weiter: „Heute kommt Papa früher nach Hause, ausnahmsweise. Ich
dachte, ich bitte Katharinas Mutter darum, dass du nach der Schule zu ihnen kommen
darfst.“ Vor
Schreck verschluckte sich Lili fast. „Ich
weiß“, sprach die Mutter weiter, „du magst Katharina nicht besonders, aber du
kannst ja nicht dauernd alleine bleiben.“ „Doch!“,
platzte Lili mit vollem Mund heraus. Ein
halb zerkautes Pfannkuchenstückchen klebte am Marmeladenglas. „Mir
macht das nichts aus. Ich bin letzte Woche doch sogar abends alleine geblieben,
als du mit Papa im Kino warst. Zu der eingebildeten Katharina will ich nicht.
Die ist gemein zu mir und lacht mich immer aus.“ Sie
schluckte den Pfannkuchenrest und die aufsteigenden Tränen hinunter, bevor sie
bettelte: „Bitte lass mich allein zu Hause bleiben. Ich kann in der Zeit auch
aufräumen, abspülen, Blumen gießen und ...“ Ihre
Mutter lächelte. „Also,
mir würde es schon genügen, wenn du deine Hausaufgaben machst und ansonsten
nichts anstellst.“ Lili
nickte eifrig. Ihr blonder Pferdeschwanz wippte zustimmend. „Na
gut“, meinte die Mutter mit einem Seufzer. „Wir
probieren es aus. Aber wenn irgendetwas passiert, rufst du sofort bei Papi im
Büro oder bei mir im Margarethenheim an.“
Lili
war alleine zu Hause. Die Mutter war zur Spätschicht ins Altenpflegeheim gefahren
und bis der Vater aus dem Büro kam, dauerte es wohl noch eine Stunde. Lili
schlenderte ins Kinderzimmer. Wie immer ging sie schnurstracks zum Vogelkäfig
am Fenster: „Wir schaffen das schon, ohne die doofe Katharina, nicht wahr,
Hans-Jürgen?“ Sie
öffnete die Käfigtür und kraulte den Vogel am Kopf. Hans-Jürgen drehte genießerisch
sein Köpfchen und spreizte dabei die leuchtend blauen Halsfedern. Lili lächelte
traurig: „Wenn ich mit dir spreche, ist das fast, als wäre Oma Trudchen noch
da.“ Hans-Jürgen
war Oma Trudchens Haustier gewesen. Lili hatte ihn bei sich aufgenommen. Die
Eltern waren darüber nicht erfreut. Sie waren sich einig, dass ein Vogel zu
viel Dreck und Mühe machte, aber Lili hatte so lange gebettelt, bis der
Wellensittich mit seinem Käfig in ihr Zimmer einziehen durfte. Hans-Jürgen gab
einen kehligen Laut von sich, der klang wie „Lili“. Oma Trudchen hatte ihrer
kleinen Nachbarin diesen Kosenamen gegeben und behauptet, der Vogel wäre auf diese
Idee gekommen. Immer wieder erzählte die alte Dame: „Lili ist das einzige Wort,
das Hans-Jürgen sagen kann. Damit zeigt er dir, wie gern er dich hat.“ Sogar
die Eltern sagten nun manchmal Lili zu ihr, aber nur wenn sie besonders gute
Laune und nicht zu viel Arbeit hatten. Lili
schloss das Türchen vom Vogelkäfig und sah gelangweilt zum Fenster raus. Wenn
sie ihre Stirn an das kühle Fensterglas drückte, konnte sie sehen, was unten
auf der Straße los war. Im Nachbarhaus schräg gegenüber war ein kleiner Laden.
Kemal, der Ladenbesitzer stand vor dem Haus neben der Gemüseauslage. Lachend
unterhielt er sich mit einer älteren Dame. Gerade warf er einen flüchtigen
Blick zu Lilis Fenster hoch und winkte ihr freundlich zu. Eigentlich fand sie Kemal
sehr nett. Er war immer fröhlich und sagte lustige Sachen. Trotzdem brachte sie
kaum ein Wort heraus, wenn die Mutter sie hinunterschickte, um Äpfel, Salat
oder ein Fladenbrot einzukaufen. Lili war sehr schüchtern und fing oft an zu
stottern, wenn sie etwas gefragt wurde. Dazu wurde ihr Gesicht glühend rot, was
ihr in der Schule den Spitznamen „Leucht-Liese“ eingebracht hatte. Mit
einem kleinen Lächeln winkte Lili Kemal zaghaft zurück. In diesem Moment bog
ein schwer bepackter Möbelwagen behäbig in die Johannesstraße ein und bremste
schwerfällig vor dem Haus mit der Nummer 5, in der Lili mit ihren Eltern lebte.
Das mussten die neuen Mieter von Oma Trudchens Wohnung sein. Sie drückte ihr
Gesicht ganz nah an die Scheibe, um zu sehen, wer aus dem Lastwagen stieg. Zwei
Umzugsarbeiter mit blauen Latzhosen hüpften aus dem Führerhaus, öffneten die
Ladeluke und trugen ein Sofa heraus. Solch ein knallig buntes Muster hatte Lili
noch niemals gesehen. Sie zog die Nase kraus. „Die
haben ja komische Möbel.“ Sie
drehte sich vom Fenster weg, ließ sich aufs Bett fallen und vergrub den Kopf unterm
Kissen. „Ich
will sowieso keine neuen Nachbarn. Ich will meine Oma Trude wieder haben“, murmelte
sie vor sich hin. Sie beschloss, die neuen Nachbarn nicht zu mögen - auf gar keinen
Fall.
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