"Erdbeeren
für den Zeugen" von Chris Bienert Ein
zweiter Fall für Sam und Viktoria aus der Region Hannover
"Erdbeeren für den Zeugen" Krimi
von Chris Bienert Der
zweite Fall für die gegensätzlichen Amateurdetektivinnen Sam und Viktoria
aus Hannover, die auf unkonventionelle Weise den Mord an einem
Auktionator aufklären
Taschenbuch,
Format 14,8x21cm, 172 Seiten ISBN 978-3-939883-03-6ISBN 3-939883-03-4 Preis: 9,90 €
Inhalt: Nie
wieder will die Erzieherin Sam als Amateurdetektivin in einem Mordfall
ermitteln. Doch dann finden sie und ihre unkonventionelle Freundin Viktoria in
einer Kaufhaustoilette eine bewusstlose Rauschgiftsüchtige. Die
krimibegeisterte Viktoria vermutet einen Mordanschlag und will die Hintergründe
klären. Ihr Verdacht fällt auf den smarten Psychologen Dr. Lars Bachner. Wenig
später wird eine andere Patientin Bachners ermordet und Sam muss sich
widerwillig Viktorias Ermittlungen anschließen. Eine Reise nach Ibiza bringt
die beiden gegensätzlichen Amateurdetektivinnen und Viktorias Sohn Olli auf
eine neue Spur. Doch der einzige Zeuge, der Kater des Mordopfers, dessen außergewöhnliche
Vorliebe für Erdbeeren den Mörder überführen könnte, bleibt verschwunden und
die Ermittlungen werden immer gefährlicher …
Wie im
ersten Fall „Kein Lolli für den Mörder“
gelingt es den beiden ungleichen Amateuerdetektivinnen und Viktorias Sohn Olli,
trotz unprofessioneller Vorgehensweise auch dieses Mal den Fall mit Charme und
Witz zu lösen.
Autorin: Chris Bienert lebt mit ihrer Familie in der
Region Hannover. Sie hat in verschiedenen Berufen gearbeitet, u.a. als Journalistin
und Dozentin. Mit Lyrik und Kurzgeschichten ist sie in zahlreichen Anthologien
vertreten, außerdem wurde sie mit einem Krimi-Förderpreis ausgezeichnet. Der erste Fall der beiden Amateurdetektinnen
Sam und Viktoria "Kein
Lolli für den Mörder" und ein weiterer Roman
"Hände
weg von fremden Päckchen" sind ebenfalls in diesem Verlag
erschienen. Desweiteren arbeitet sie als Fotografin und hat
mit ihren Fotos mehrere Bücher illustriert und Buchcover
gestaltet. Einige ihrer Fotos sind als Briefkarten
, Lesezeichenund
als
Posterblock/Kalender hier im
Verlag erhältlich. Zeitweise nimmt sie mit ihren
Fotografien und Fotoarbeiten auch an Kunstausstellungen
teil.
Auszüge
aus Rezensionen: "...
Locker geschrieben, mit viel Lokallolorit und genau das richtige
für einen Sommernachmittag mit Erdbeertorte auf der Terrasse
..." Auszug aus Artikel "Können diese Beeren
Sünde sein - Der Krimi zu den Beeren" von Anneke
Bosse, erschienen in der Zeitschrift "nobilis, 6/2007"
Ich hätte
mich nicht wieder mit Viktoria treffen sollen. Mein neuer Lebensgefährte Björn
Schneider hatte mich gewarnt. Aber was war schon dabei, sich mit einer fast
sechzigjährigen Witwe an einem regnerischen Freitagnachmittag zu einem
Einkaufsbummel in Hannovers City zu verabreden? – Gar nichts. Das Problem war
nur, dass der Kaffee bei Viktoria und mir einen Gang zur Toilette erforderlich
machte. Natürlich wäre auch dagegen nichts einzuwenden gewesen. Millionen von
Frauen benutzten ein öffentliches Kaufhaus-WC, ohne hinterher den Notruf
verständigen zu müssen.
»Komm schnell her, Sam.«
Viktoria winkte mich aufgeregt heran, als ich meine Toilettenkabine verließ und
in den Gang trat.
Sam, vollständiger Sandra A. Martin, das war ich. Einunddreißig Jahre,
Erzieherin, geschieden, ein wenig ängstlich und nicht im Mindesten an Unannehmlichkeiten
interessiert.
»Was ist?«, wollte ich vorsichtig wissen.
Viktorias Blick gefiel mir nicht und ließ sämtliche Alarmglöckchen in meinem
Inneren klingeln. Oder lag dieses hitzige Glitzern in ihren Augen am bläulichen
Kunstlicht, in das der weißgeflieste Toilettenraum getaucht war?
»Sieh dir das an.«
Sie zog mich in das gegenüberliegende WC und deutete vage auf die reich
beschriftete Kabinenwand zur Nachbartoilette. Eine übergroße Phallusdarstellung
mit verkniffenem Gesicht stierte mich auffordernd an.
»Findest du seit neuestem Gefallen an Schmuddel-Krickelein?«
Viktorias Vorlieben für jüngere Männer mit knackigen Popos und alles, was mit
Sex zu tun hatte, sorgte seit Beginn unserer Freundschaft vor einigen Monaten
für Meinungsverschiedenheiten zwischen uns. Ich empfand ihre Freizügigkeit in
ihrem Alter als übertrieben, sie hielt mich für hoffnungslos altmodisch.
»Wie?«
Viktoria blickte geistesabwesend auf die Trennwand. »Für so etwas haben wir
jetzt keine Zeit. – Da!«
Sie zeigte auf den unteren Spalt zwischen schwarzgrau gesprenkelten Steinfußboden
und Abtrennwand. Neben ihrer großen Einkaufstüte sah ich eine Schuhspitze zu
uns herüberlugen.
»Ja, und? Wahrscheinlich hat eine Frau neue Schuhe gekauft und die alten in der
Toilette stehen gelassen«, entgegnete ich betont leise.
Mir war Viktorias Lautstärke peinlich. Denn das rote Besetztzeichen an der
Nachbarkabine wies darauf hin, dass die Toilette gerade benutzt wurde.
»Ach, Sam, manchmal bist du wirklich strohköpfig. Gib mir schnell deinen
Stockschirm.«
Ehe ich reagieren konnte, riss sie ihn mir aus der Hand, kletterte auf die Toilette
und hangelte mit meinem Schirm in die Nachbarkabine hinein.
»Viktoria, lass das sein«, zischte ich ihr empört zu und versuchte sie von der Toilette
zu zerren.
Was sollte die Frau nebenan denken, wenn plötzlich von oben ein Schirm in ihre
Kabine schwebte? Als Willkommensgeste des Kaufhauses, weil sie sich für die
Benutzung dieses Örtchens entschieden hatte, würde sie das kaum deuten.
Im nächsten Moment hörte ich ein leises Klacken. Viktoria sprang von der
Toilette und drängte sich an mir vorbei. Ich folgte ihr unschlüssig. Die Tür
nebenan zeigte kein »Besetzt«-Zeichen mehr. Viktoria hatte mit meinem Schirm
den Riegel umgelegt, der die Tür verschloss und gleichzeitig anzeigte, ob eine
Kabine frei war oder nicht. Sie stieß die Tür auf.
»Das muss die Toilettenfrau sein.«
Eine junge Frau hing halb sitzend, halb liegend auf dem geschlossenen Toilettendeckel.
Ihr Mund stand offen, ihre Augen waren geschlossen. Der hellgrüne Kittel, den
sie über einem weißem T-Shirt und Jeans trug, bestätigte Viktorias These. Ein
Bein lag angewinkelt, das andere war seitlich der Toilette ausgestreckt und
steckte mit der Fußspitze unter der Kabinenöffnung. Dazwischen stand ein
geöffneter, bunter Stoffrucksack, als hätte sie eben etwas aus ihm
herausgeholt. Auf dem autoradgroßen Toilettenpapierbehälter lag ein Feuerzeug.
Ein zerbrochenes Schälchen, ein Löffel, ein Halstuch und eine benutzte Spritze
lagen darunter am Boden. Der rechte Arm hing leblos herab und wies einen
dunklen Bluterguss mit Einstichstellen auf. Trotz ihrer offenkundigen
Rauschgiftsucht, machte sie einen gepflegten Eindruck, war leicht geschminkt
und hatte kurze schwarze Haare, die frisch gewaschen aussahen. Ihr Alter
schätzte ich auf Anfang bis Mitte Zwanzig. Sie sah leichenblass aus.
»Ist sie ... tot?«
Es war kaum mehr als ein Flüstern. Mir war plötzlich schlecht. Den Anblick von
Toten konnte mein Kreislauf nicht gut vertragen. Auch die Luft in der Toilette
war mit ihrem Gestank nach Toilettenduftstein, Urin und einem undefinierbaren Geruch
nicht geeignet, mein Schwindelgefühl zu dämpfen. Viktoria bückte sich zu der
jungen Frau herunter und fühlte ihr fachmännisch den Puls, wie sie es als
ehemalige Krankenschwester einst bei Hunderten von Patienten getan hatte.
»Nein. Vielleicht schafft sie es. – Ich habe kein Handy dabei, um den Krankenwagen
zu rufen. Hast du inzwischen eins?«
Nein, wozu? Meine Telefonate konnte ich gut von zu Hause oder vom Kindergarten
erledigen. Notfälle wie dieser waren in meinen Gedankengängen nicht vorgesehen.
Doch auch jetzt fand ich in Windeseile den Weg zum Telefon einer Verkäuferin.
»Was
glaubst du? Wird sie überleben?«
Zwanzig Minuten später saßen wir im nächsten Café und genehmigten uns auf den
Schreck einen Kognak. Noch bevor der Krankenwagen die junge Frau abgeholt
hatte, hatte mich Viktoria durch die Menge der Schaulustigen gezogen, die sich
plötzlich im WC und im Flur angesammelt hatte.
»Keine Ahnung. Wir haben getan, was wir konnten. Den Rest wird das Schicksal
besorgen.«
»Hätten wir nicht warten sollen?«
»Wozu? Wir konnten nichts mehr tun. Außerdem wollte ich auf keinen Fall der
Polizei in die Arme laufen.«
»Seit wann flüchtest du vor der Polizei?«
Eigentlich hatte ich die Frage witzig gemeint, doch Viktoria schaute mich
schief an.
»Die hätten mich sowieso nicht ernst genommen, wenn ich Ihnen erklärt hätte,
dass auf die junge Frau ein Mordanschlag verübt wurde.«
Mir fiel das Kognakglas aus der Hand. Glücklicherweise war es leer und landete
weich auf meinem Schoss.
»Das ist nicht dein Ernst«, stellte ich tonlos fest.
Viktorias Leidenschaft für Kriminalfälle in allen Variationen, sei es in Büchern,
im Film, im Hörspiel oder in der Realität, bildete einen weiteren Streitpunkt
zwischen uns. Wenn es nach ihr gegangen wäre, würde sie als eine Art Realität
gewordene Miss Marple einen Kriminalfall nach dem anderen lösen. Ich dagegen
konnte gut darauf verzichten, hinter Verbrechern herzujagen. Zu frisch war
meine Erinnerung an einen Mordfall, in den wir hineingeraten waren und der uns
fast das Leben gekostet hätte. Nie wieder wollte ich Derartiges erleben. Wenn
ich mich in kriminelle Gefilde begeben wollte, dann nur in Romanen. Das war
sicherer.
»Doch. Das ist mein absoluter Ernst.«
Viktorias Augen leuchteten wie bei einem Kind, das vor einem Weihnachtsbaum
stand und es kaum erwarteten konnte, die Geschenke auszupacken. In diesem
Augenblick hätte ich am liebsten sie zu einem Mordopfer gemacht. Statt
Mitgefühl für die junge Frau aufzubringen, die mit dem Leben kämpfte, erging
sie sich morbiden Mordfantasien.
»Die junge Frau hat sich Rauschgift gespritzt. Was soll das mit einem Mordanschlag
zu tun haben?«
»Nie glaubst du mir. Wenn ich dir sage, es handelt sich um einen Mordversuch,
dann ist das so.« Trotzig klopfte sie mit der Hand auf die Tischdecke.
»Sicher.«
Ich sah mich nach der Kellnerin um. Der Zeitpunkt war gekommen, zu gehen. Es
hatte keinen Sinn, Viktoria weiter zuzuhören. Ihre Eigenart hinter
außergewöhnlichen Ereignissen Verbrechen zu witterten, machte mich nervös.
»Du hast ihre gestammelten Worte nicht gehört.«
»Du hast mir ihr gesprochen?«, fragte ich erstaunt.
»Nicht direkt. Sie hat versucht etwas zu sagen. Das erste war sehr leise. Das
konnte ich nicht verstehen. Dann hat sie »umbringen« gesagt. Das habe ich deutlich
verstanden.«
»Ihre ersten Worte hast du nicht verstanden, aber das Wort »umbringen«?« Ich
schüttelte den Kopf. »Weißt du, wie ich die Sache sehe? Das Wort »umbringen«
hast du verstehen wollen. In Wirklichkeit hat sie etwas ähnlich Klingendes gesagt.«
Viktoria blickte mich kämpferisch an. »Natürlich, das ist typisch für dich. Nie
willst du den Tatsachen ins Auge blicken. Genauso hätte die Polizei reagiert.
Deshalb wollte ich nicht warten. Es ist effektiver auf eigene Faust zu
recherchieren.«
»Das musste ja kommen. Kapiere endlich, dass du keine Detektivin bist. Rede
lieber mit den ermittelnden Polizisten. Oder wende dich an Gunter Melzner.«
Hauptkommissar Gunter Melzner war der einzige Kripobeamte, den wir kannten. Er
war mit Björn befreundet und konnte durchaus nett sein, jedenfalls zu mir. Was
Viktoria anging, hatte ihre bisherige Kommunikation aus unendlichen
Wortgefechten bestanden. Entsprechend traf mich nun ihr verachtungsvoller
Blick.
»Ich rede erst mit der Kripo, wenn ich mehr weiß. Und komm mir nicht mit
Melzner. Dieser Macho kann mir gestohlen bleiben. – Vielleicht finden wir hier
Anhaltspunkte.« Sie nahm ihre Plastiktüte vom Boden auf und holte zu meiner
Bestürzung den bunten Rucksack heraus, den ich zuletzt neben der jungen Frau
gesehen hatte.
»Du hast ihren Rucksack geklaut?«
»Ich habe ihn in Verwahrung genommen«, berichtigte sie mich mit ihrer tiefen
Stimme. »Wer weiß, ob nicht jemand von den Neugierigen den Rucksack gestohlen
hätte, wenn ich ihn hätte stehen gelassen. Als ich die Stimmen der Gaffer
hörte, habe ich ihn in einem Hilfsreflex in meine Plastiktasche getan.«
»Hilfsreflex? Das ich nicht lache. Das war pure Berechnung. Aber diesmal wirst
du mich nicht überzeugen, deine Ermittlungsspielchen mitzumachen, diesmal
nicht«, setzte ich mit Nachdruck hinterher.
Sie sollte nicht denken, dass ich diesen Fehler ein zweites Mal begehen würde.
Zugegeben, es war bei unseren letzten Ermittlungen nicht uninteressant gewesen,
in das Leben und die Abgründe anderer Leute zu blicken. Doch im Allgemeinen war
ich weniger abenteuerlustig, und konzentrierte mich lieber auf meine Kinder im
Kindergarten. Die Kellnerin kam in mein Blickfeld. Ich winkte ihr zu.
»Zahlen, bitte.«
Während ich meine Rechnung beglich, kramte Viktoria unverfroren im Rucksack der
jungen Frau herum. Kaum war die Kellnerin gegangen, zog sie einen flachen
Lederbeutel heraus, der Geld, eine Krankenversicherungskarte und ein
zerknittertes Rezept enthielt. Rezept und Versicherungskarte waren beide auf
denselben Namen, Vanessa Fink, ausgestellt. Sie wohnte demnach in der
Haltenhoffstraße in Hannover und war dreiundzwanzig Jahre alt. Das Rezept
fesselte augenblicklich Viktorias Interesse.
»Das ist erst heute ausgestellt worden. Wenn ich nicht irre, hat ihr der Arzt
ein starkes Beruhigungsmittel verschrieben und ein Mittel, das ich nicht kenne.
– Das Ärzte immer so eine saumäßige Handschrift haben müssen«, klagte sie und
runzelte angestrengt die Stirn. »Kannst du entziffern, wer es unterschrieben
hat? Laut Rezeptkopf stammt es aus einer Doppelarztpraxis an der Hildesheimer
Straße. Der eine Arzt ist Internist und heißt Dr. Friedhelm Strehlitz, der
andere, ein Dr. Lars Bachner, ist Psychotherapeut.« Sie hielt mir das Rezept
unter die Nase. »Kannst du den Namen erkennen?«
»Das ist mir völlig gleichgültig.«
»Mit dir ist heute nichts anzufangen, Sam«, meinte sie ärgerlich, »ich weiß,
was ich gehört habe.«
»Es gibt keinen Mordanschlag, Viktoria. Das denkst du nur, weil du eine
hemmungslose Schnüfflerin bist, die gierig ihre Nase in die privaten Angelegenheiten
anderer Leute steckt, weil sie nichts anderes zu tun hat. Du solltest dich in
einer gemeinnützigen Organisation engagieren oder dir einen Job suchen.«
»Das ist unfair. Ich bin nun einmal eine verantwortungsbewusste Bürgerin und
kann Verbrechen nicht tatenlos zusehen.«
»Verantwortungsbewusst wäre es, mit der Polizei zu sprechen und die Tasche
abzugeben. Die Beamten wissen wahrscheinlich nicht einmal, wer sie ist. Wie
sollen sie ihre Angehörigen erreichen? Vielleicht ist es für die behandelnden
Ärzte im Krankenhaus sogar wichtig mit dem Arzt zu reden, der das Rezept ausgestellt
hat.«
Sie sah mich zerknirscht an.
»Daran habe ich nicht gedacht. Kannst du nicht zur Polizei gehen und den
Rucksack abgeben. Dann könnte ich in der Zeit ...«
Mein tadelnswerter Blick ließ sie schweigen. »Nein. Die Suppe, die du dir eingebrockt
hast, kannst du allein auslöffeln. Das Ganze ist ein simpler Unglücksfall. Sie
hat sich entweder in der Dosierung geirrt oder das Rauschgift war verunreinigt.«
Ich griff meine Jacke und meinen Schirm und erhob mich. »Das vermutest du.
Woher willst du wissen, ob nicht eine weitere Person in der Kabine war?« Ich
beugte mich zu Viktoria herunter. »Die Tür war von innen verschlossen. Damit
dürfte das klar sein.«
Viktoria schüttelte den Kopf. »Wenn wir den Riegel von außen umlegen konnten,
konnte es ein anderer auch. Jemand, der sie ermorden wollte.«
»Sie hat es selbst getan. Ich weiß, was ich gesehen habe.«
»Gut, vielleicht hast du recht. Aber der Täter könnte ihre Sucht benutzt und
ihr eine giftige Substanz untergemischt haben, um sie aus dem Verkehr zu
ziehen.«
»Möglicherweise hat tatsächlich jemand das Rauschgift mit schädlichen Stoffen
gestreckt, um einen höheren Gewinn zu erzielen. Das habe ich öfter in der
Zeitung gelesen. Gerade dann ist es wichtig, der Polizei alle Fakten zu
liefern, damit nicht weitere Drogensüchtige erkranken.«
Sie runzelte die Stirn. »Glaubst du wirklich, es könnte ein Verbrechen aus dem
Rauschgiftsumpf dahinter stecken?«
»Nein. Ich denke, es steckt überhaupt kein Verbrechen dahinter. Falls es kein
Unglücksfall war, könnte sie möglicherweise auch Selbstmord verübt haben. Hast
du darüber schon einmal nachgedacht?«
»Selbstmord? Aber sie hat deutlich von umbringen gesprochen.«
»Eben, vielleicht hat sie gesagt, sie wollte sich selbst umbringen.«
»Nein, es war Mord. Und ich werde ... «
Der Rest ging im Stimmengewirr der anderen Restaurantgäste und Geschirrklappern
unter. Ich entfernte mich und warf keinen einzigen Blick zurück.