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"KehrSaite" Jugendroman
von Regine Fiedler
Taschenbuch,
Format Din-A-5, 104 Seiten ISBN 978-3-939883-08-1 Preis: 10,90 €
Buchumschlag-Gestaltung
Christine
Bienert
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Inhalt: Moritz
hat die Nase gestrichen voll. Sein Vater meldet sich seit der Trennung von der
Familie nur noch sporadisch mit Keksen und Karten. Die Mutter ist mit sich
selbst beschäftigt. Sein einziger Lichtblick ist die Jugendband Tapps, in der
er Gitarre spielt und komponiert. Sein neuer Song „Herbsthimmel“, kommt jedoch
bei Bandleader Cedric nicht an.
Als
ihm dort der Rausschmiss droht, bestiehlt er seine Mutter, um an Geld für
eine neue Gitarre zu kommen. Danach scheint sein Leben aus dem Ruder zu laufen,
und dann ist da auch noch Annett …
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Regine Fiedler,
geb.1964,
lebt in Friesland. Sie leitet Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche,
schreibt Kurzgeschichten und Romane. Einige der Kurztexte sind mit Preisen
ausgezeichnet worden. Für
Erwachsene schreibt sie unter Regine Kölpin. Sie ist Mitglied in einigen
Autorenvereinigungen, u.a. im Verband deutscher Schriftsteller (V/S) „KehrSaite“ ist ihr erster Jugendroman.
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Auszüge
aus Rezensionen:
„...Sehr einfühlsam schildert Regine Fiedler die Sorgen und
Nöte mit denen sich Moritz herumschlägt. Ihre flotte Art zu schreiben lässt den
Roman zu einer überaus unterhaltsamen und gleichzeitig nachdenklich machenden Lektüre für ein
oder zwei Nachmittage werden ...“ von Annette Kellin, Sander Kurier, Juli 2007 Jeversches
Wochenblatt, 14.7.2007 NordwestZeitung, 8.8.2007
"Die
Frage, warum es Jugendromane gibt, erledigt sich bei diesem
Buch von selbst ... Junge Menschen denken aber auch in anderen
Bahnen und genau dies hat Regine Fiedler auf den Punkt gebracht
... Alles wird gut- am Ende jedenfalls. Motivation nicht
nur für Jugendliche ...", von Gabriele Sawarty,
Guten Morgen Sonntag, 29.7.2007
Textauszug
– 1 –
Ich spuckte das Kaugummi meterweit aus, es schmeckte
schon fad. Eine geschwänzte Schulstunde dauert eben einfach länger als der
Geschmack eines Kaugummis. Mir war heiß, mein T-Shirt hatte bereits kleine
ekelige Kreise unter den Achseln und ein lang gezogenes Ei auf dem Rücken. Und
das Anfang Oktober! Es herrschte richtig dicke Luft. Dicke Luft war auch bei der Müller vorhin in Englisch
angesagt. Das Referat total vermasselt. Thema verfehlt,
schwacher Ausdruck, was hatte sie nicht alles aufgezählt. Ich kam mir vor wie
die Fliege an der Wand. Freigegeben zum Draufhauen. Ich hatte es zwar überlebt,
aber mir war die Lust vergangen, in Geschichte auch noch eine Lasche zu
kassieren. Also: Abgang. Freistunde. Aber das war auch nicht besser. Wenn man Zeit hat,
denkt man nach. In Geschichte wären die Bahnen eng gefasst gewesen. „Stadtluft
macht frei“. Ein irre tolles Lehrerthema. Da können sie sich echt stundenlang
drüber auslassen. Wäre ich hingegangen, ich hätte mir den Kopf aber eben nur
über so etwas zerbrechen müssen und nicht über diese dämliche Karte heute
Morgen auf dem Küchentisch. Die Karte, die den Tag von Beginn an zum Scheitern
verurteilt und mir die Lust auf alles genommen hatte. Dieses Mal war sie aus der Schweiz eingetrudelt,
geschickt von meinem Vater. Er reiste gerade irgendwo im Rhone-Tal herum und
hatte einen kleinen Abstecher hoch in die Berge nach Haute Nendaz gemacht.
Schneebedeckte Gipfel im Sonnenschein, davor Apartmenthäuser. Schöner Kitsch.
Hatte ein feines Leben, mein alter Herr, seit er sich mit Laila aus dem Staub
gemacht hatte. Urlaub pur, zwischendurch ein paar Bilder verkaufen.
Aussteigerleben. Das war schon immer sein Traum gewesen, aber daran war mit
Kind ja nicht zu denken. Also hatte er es dann ohne die Familie durchgezogen.
Mit Laila. Seiner Neuen. Hin und wieder erinnerte er sich dann scheinbar, dass
er seine Brut im kalten Norden vergessen hatte und schickte dann solche
idiotischen Karten. Oder Päckchen mit zuckersüßen und zähen Keksen. Wo auch immer meine Gedanken hinschweiften, immer
wieder kam ich da an, wo ich nicht anzukommen gedachte. Bei meinem Vater. Ich trat gegen meinen Rucksack, weil ihn gerade eine
Kompanie Ameisen als
Himalaya-Expedition nutzte. Fein säuberlich in Reih und Glied marschierten sie
über die vordere Reißverschlusstasche. Kein Anfang und kein Ende der Schlange.
Ich nahm den Rucksack hoch und klopfte die Viecher ab. Mein Vater kann mich mal, dachte ich und beseitigte
die letzten Krabbler mit einem kräftigen Hieb. Es klingelte. Die freie Stadtluft hatte ein Ende. „Hey, hast du echt geschwänzt?“ Cedric klopfte mir mit einem Pokerfacegrinsen auf die
Schulter. Er war der Einzige in unserer Band, der seine Haare kurz geschnitten
trug, jede einzelne Strähne geformt. Perfektion pur. Eben Cedric. Ich zuckte nur mit den Schultern. „Kann mir keine Fünf
mehr leisten. Nirgendwo. Sonst tschüss und weg!“ „Hauptsache, du bist nachher bei der Bandprobe dabei.
Um drei im Jugendhaus.“ „Vergesse ich nicht“, sagte ich. „Sind die anderen
auch alle da?“ Cedric nickte. „Annett kommt etwas später und Tobias
hole ich ab. – Ey, Tobi“, er wandte sich an den Bassisten, „du denkst
ja wohl an die Probe heute!“ Tobias nickte. „Dann ist ja alles klar“, sagte Cedric. „Lasst uns
jetzt aber noch ins `Scarlett` gehen, wir müssen noch was besprechen.“ Das „Scarlett“ war ein Bistro in der Fußgängerzone,
hatte rot-schwarze Hochglanzmöbel und von den Wänden grinsten fast alle der
großen Hollywoodstars herab. Sollte wohl so was wie eine Szene-Kneipe der
Kleinstadt sein. Zu dumm, dass wir nur ein Kino hatten, in dem der Film fast
noch von Hand abgespult wurde. „Ich hab keine Lust“, sagte ich. „Wir sehen uns doch
nachher, oder nicht?“ „Ist aber wichtig, wirklich“, sagte Cedric. „Ich muss aber ...“ „Du musst kommen, ganz richtig.“ „Na denn ...“ Ich schulterte meinen Rucksack und
hievte ihn auf das Fahrrad. Es quietschte unter der Last. „Bisschen schrottig, die Kiste, was?“, griente Cedric
und raste mit Tobias davon. Ich radelte hinter her. ...
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