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Ehemalige
Buchvorstellung "Ein
Schatz für Anke" von Wolfgang Reuter
"Ein
Schatz für Anke" Jugendbuch
von Wolfgang Reuter Dem Autor gelingt es auf fesselnde Weise
die heutige Zeit mit einer Geschichte zu verknüpfen, die
fünfhundert Jahre zuvor spielt.
Taschenbuch,
Format 14,8x21cm, 104 Seiten ISBN 978-3-9809142-3-9 ISBN3-9809142-3-2 Preis: 10,90 €
Inhalt: Auf einen uralten Grabstein mit dem eigenen Namen zu stoßen,
ist nicht gerade alltäglich. So hat die dreizehnjährige Anke Wolfsgruber nur
noch den einen Gedanken: Sie muss unbedingt mehr über dieses „Schwesterchen
ANKE“ herausfinden. Zusammen mit Frank, einem Jungen aus ihrer Nachbarschaft,
begibt sie sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Es beginnt für beide ein
aufregendes Abenteuer, an dessen Ende mehr steht als ein Schatz für Anke
...
Autor:
Wolfgang Reuter, geboren und aufgewachsen in
Görlitz, begann seine berufliche Laufbahn als Deutsch- und Geschichtslehrer.
Später arbeitete er beim Kinderfernsehen der DDR, schließlich als dessen Chefredakteur.
In dieser Zeit schrieb er für Kindersendungen, versuchte sich aber auch an
Kinder-Musicals, die in Gera erfolgreich aufgeführt wurden. Heute ist er
Sendeleiter im Deutschen Sport-Fernsehen. „Ein Schatz für Anke“ ist sein erstes
Buch. Desweiteren
ist er im Verlag in der
Anthologie "Blumengrüße" mit einem Gedicht vertreten.
Pressestimmen:
"
Spuk-Regisseur will in der Neißestadt
filmen, Kino. In Görlitz soll ein
weiterer Film gedreht werden. Als Vorlage dient das im Januar erschienene
Kinderbuch„Ein
Schatz für Anke“. Regisseur Günter Meyer hat sich zwei Tage lang von seinem
Freund Wolfgang Reuter, dem Autor der Erzählung„Ein Schatz für Anke“, durch
Görlitz führen lassen ..." Auszug aus: "Sächsische
Zeitung", Ausgabe 309, November 2005, vollständiger Artikel auf der Website
des Autors nachzulesen Über
das geplante Filmprojekt wurde am 9.11.2005 auch im "eRtv" - Regionalfernsehen Niederschlesien (http://www.ertv.de/)
und bei "Radio Lausitz" (http://www.radiolausitz.net/) berichtet.
„... Bürgermeister Ulf
Großmann, ... lobte das Buch aufgrund seiner Nähe zur Stadt. ... Auch den
Zuhörern gefielen die drei Kapitel, die Reuter zum Besten gab. Der Büchertisch
war anschließend im Handumdrehen leer. ...“ Auszug aus: "Sächsische
Zeitung", Görlitz-Seite, 16. 02. 2005, nach der ersten Lesung von
Wolfgang Reuter im Café
Freudenberg in Görlitz. Weitere Pressestimmen siehe:
www.wolfgang-reuter.com/
Auszug
aus Rezension, "Ein
Schatz für Anke" "...
Geschichte wird lebendig und konkret und weckt den Wunsch nach
mehr Büchern dieser Art ... Ein Lesespaß nicht nur
für junge Leser." Literaturzeitschrift
Veilchen, Ausgabe April 2005
1. Aufregende
Begegnungen auf einem alten Friedhof „Nein“, ruft Anke erschrocken, „das
gibt’s doch gar nicht!“ Und dann, schon deutlich leiser, entfährt ihr ein
ungläubig staunendes „Auweia.“ Schnell schaut sie sich um, ob das auch ja
niemand gehört hat. Aber zum Glück ist auf dem Nikolaifriedhof keine Menschenseele
zu sehen. Sie kann es einfach nicht fassen.
Ihren eigenen Namen liest sie da, mitten auf einem uralten Grabstein. Tief in
den grauen Stein ist die Schrift gemeißelt, seit ewigen Zeiten sicherlich, ein
bisschen verwittert zwar, aber noch gut und deutlich zu lesen: ANKE
WOLFSGRUBER. Anke atmet tief durch. Es hat schon
einmal ein Mädchen gegeben, das genauso hieß wie ich, denkt sie aufgeregt.
„ANKE WOLFSGRUBER“ liest sie noch einmal und flüstert es fast lautlos vor sich
hin. Wie das klingt. Irgendwie neu oder wenigstens ungewohnt. Dreizehn Jahre
alt ist sie nun schon, aber noch nie hat sie bisher jemanden mit ihrem Namen
getroffen. Und nun dieser Grabstein. Gleich gegenüber entdeckt sie eine
alte Bank, auf der sie etwas Ruhe sucht. Ihr Herz klopft spürbar, als ob sie
eben um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen sei. Vor sich auf die Erde
stierend, grübelt sie vor sich hin. Sie kann kaum glauben, was sie gelesen hat;
denn der Name Wolfsgruber ist einmalig in Görlitz. Der Urgroßvater ist der
älteste Görlitzer mit diesem Namen gewesen, hat ihr Vater erzählt. Vom
österreichischen Linz aus kam er einst hierher. Und nun noch einmal dieser
Name, aus uralter Zeit stammend? Der Glockenschlag einer Turmuhr
schallt von der Stadt herüber.Sofort
schaut Anke auf ihre Armbanduhr. Denn eigentlich ist sie mit Frank verabredet.
Aber weil sie auf keinen Fall zu spät kommen wollte und aus Angst, von jemandem
beobachtet zu werden, war sie viel zu früh losmarschiert. Von Frank ist deshalb
weit und breit noch nichts zu sehen. Was der sich für verrückte Sachen
ausdenkt. Treffpunkt Nikolai-Friedhof, hatte er gesagt. Na gut, hier ist die
Gefahr, von Klassenkameraden beobachtet zu werden, sehr klein. Aber komisch ist
ein „Date“ mitten zwischen alten Grabsteinen schon. Auf so ausgefallene Ideen
kann wirklichnur Frank kommen. Anke überlegt, mit wem sie über
diesen Grabstein sprechen könnte. Eine richtig gute Freundin hat sie nicht. Die
meisten Mädchen ihrer Klasse sind ihr zu albern, zu oberflächlich und
überhaupt. Sobald sie irgendwo zusammen tuscheln, geht es garantiert um das
Thema Jungen. Und wie sie später den schicksten Typen abbekommen können, am
besten aus irgendeiner tollen Boy-Group, damit alle anderen Mädchen gelb werden
vor Neid. Als ob es nichts Wichtigeres als Jungen gäbe. Die meisten sind doch sowieso doof.
Oder wenigstens langweilig. Oder beides. Eine Ausnahme gibt es vielleicht, auch
wenn er nicht so traumhaft groß und stark ist. Und schön? Na, ja. Aber vernünftig,
einer zum Reden statt zum Quatschen. Das ist Frank aus Ankes Nachbarhaus. Ihn kennt sie,
solange sie sich zurückerinnern kann. Schon als kleine Krümel haben sie
zusammen gespielt. Und dass Frank zwei Jahre älter ist, war manchmal ganz
nützlich: Wenn es Streit mit anderen Kindern gab, wusste sie immer einen
starken Beschützer an ihrer Seite. Auch heute noch sehen sich beide
oft. Weil ihre Väter regelmäßig miteinander Schach gespielt hatten, schlossen
sich Anke und Frank einem Schachklub an. Da treffen sie sich fast jede Woche.
Manchmal spielen sie sogar eine Partie gegeneinander. Vor den Mitschülern reden
sie nie darüber. Die würden das sowieso nicht verstehen und nur blöde
Bemerkungen machen. Aber das Treffen heute ist
etwas anderes. Der eigentlich recht selbstsichere Frank hatte am gestrigen
letzten Schultag beim Verabreden deutlich Farbe ins Gesicht bekommen, was er
irgendwie zu verbergen gesucht hatte. Mit der linken Hand über seinen schwarzbraunen
Bürstenschnitt streichend und die rechte Hand verkrampft in der viel zu vollen
Hosentasche, hatte er etwas herumgestottert von „... ich muss dich mal was
fragen, aber nicht hier ... können wir uns irgendwo treffen ... hast du morgen
vielleicht Zeit ...“ Klar hat Anke Zeit, viel zu
viel; schließlich fangen die Sommerferien eben erst an. Die geplante
Urlaubsreise mit den Eltern fällt leider aus, weil ihr Vater für den Sommer
keinen Urlaub bekommt. Als Trost hatte er ihr gestern das herbeigesehnte Handy
zugesteckt. „Für dein gutes Zeugnis“, hatte er betont. Obwohl er
das Handy lange vorher gekauft haben musste. Wie hätte er es sonst gleich beim
Vorlegen des Zeugnisses aus der Hosentasche zaubern können? Anke zieht das
nagelneue himmelblaue Handy aus der Gürteltasche. Die bisher einzige
gespeicherte Rufnummer ist die von Frank, den sie immer um sein Handy beneidet
hatte. Ob sie ihn einfach anruft? – Lieber nicht, sonst bildet der sich noch
was drauf ein. Aber auftauchen könnte Frank jetzt wirklich. Sie muss ihm unbedingt
diesen Grabstein zeigen. Frank ist einer, dem sie ein Geheimnis anvertrauen
kann. Er kann gut zuhören und vor allem, er kann schweigen. Von welchem der
Mädchen ihrer Klasse könnte sie solche Verschwiegenheit erwarten? Anke erhebt sich von der Bank und
schlendert ein paar Schritte über den Friedhof. Vielleicht sieht sie Frank dann
schon von weitem. Ihr Blick streift nachdenklich über die vielen Grabsteine.
Viel genauer als gewohnt betrachtet sie heute diese uralten Gräber. Sie bemerkt
erstaunt, dass damals die Toten nicht einfach in der Erde versenkt wurden,
sondern in extra gemauerten Grabkammern aus Stein. Links am Weg öffnen zwei von einem
Baumstumpf verschobene Decksteine eine winzige Spalte, durch die Anke in ein
Grab hineinspähen kann. Darunter ist es hohl. Zu sehen ist nichts, viel zu dunkel.
Ob da noch jemand drin liegt? Vielleicht sogar ein reicher Kaufmann, dem seine
Goldmünzen auf den Weg ins Jenseits mitgegeben wurden? Bei diesem Gedanken
spürt Anke eine leichte Gänsehaut. Den oberen Teil des Friedhofes begrenzen
alte Grufthäuser, die das Unheimliche dieses Ortes noch verstärken.
Mindestens dreihundert Jahre alt sollen diese Totenhäuser sein. Nachts würde
sich Anke nicht hierher trauen. Obwohl sie weiß, dass hier seit langem niemand
mehr begraben wird. Endlich taucht Frank auf. Er
schlendert vom oberen Zugang auf den Friedhof, die Daumen beider Hände betont
lässig in den Hosentaschen. Nur am mehrfachen Blick in die Umgebung ist zu
erkennen, dass er wohl ein wenig Sorge hat, beobachtet zu werden. Unwillkürlich betastet Anke
kontrollierend den Mittelscheitel ihrer langen dunkelblonden Haare. Manchmal
bringt ein Haarwirbel auf der linken Seite die schöne Ordnung durcheinander.
Aber seit sie Mutters Trick mit dem Zuckerwasser anwendet, kann sie ihr Lockengekräusel
und auch den verflixten Wirbel erfolgreich unterdrücken. Glatt wie bei einer
Madonna hüllt das Haar ihr ein wenig zu stupsnäsiges Gesicht ein. Aus dieser
nach allen Seiten schützenden Haarfestung herauszuschauen, gibt ihr Sicherheit.
So fühlt sie sich wohl. Und fast ein bisschen schön. „Hallo, Frank, hier bin ich“, ruft
Anke aufmunternd. Doch der hat sie längst entdeckt.
In gemächlichem Tempo kommt er auf sie zu. „Komm ich zu spät?“, begrüßt er
Anke. „Genau richtig“, antwortet sie.
„Und ich bin echt froh, dass du kommst. Ich habe eben eine tolle Entdeckung
gemacht.“ Mit diesen Worten packt sie Frank
am Arm und schiebt ihn die wenigen Meter an den alten Grabstein heran. Etwas
unsicher zeigt sie auf dieses leicht verwitterte ANKE WOLFSGRUBER: „Jetzt guck
dir das an. Mir ist richtig schlecht vor Aufregung.“ Frank betrachtet den Grabstein. Er
buchstabiert mühsam die alte Schrift. Dann stutzt er, sieht genauer hin, guckt
in Ankes angespanntes Gesicht, dann wieder zum Grabstein, gleitet mit der linken
Hand über seine Igelfrisur, von da zum Nacken, um sich nachdenklich zu kratzen,
tritt ein paar Schritte zurück und ... fängt doch tatsächlich an zu lachen: „So
jung noch, und schon einen eigenen Grabstein?! Donnerwetter, und herzlichen
Glückwunsch.“ Anke ist enttäuscht. Mit allem
hatte sie gerechnet. Aber nicht damit, von Frank ausgelacht zu werden. „Du bist einfach unmöglich“, knurrt
sie ihn an. Frank spürt Ankes Verärgerung. Er
nimmt sich zusammen, unterdrückt seinen Lachdrang und tritt erneut an den
Grabstein heran. Allmählich wird er doch neugierig. „Da muss doch eine Jahreszahl
dabeistehen“, vermutet er und kratzt am Moos-Bewuchs herum. Schließlich gelingt
es, und übertrieben feierlich liest er vor: „GEBOREN ANNO 1491“. „Wie bitte?“ Anke drängt
ihn beiseite. „Das ist ja genau 500 Jahre vor meinem eigenen Geburtsjahr.“ Jetzt ist Frank nicht mehr zu
halten. „Wer vor so langer Zeit geboren wurde, ist garantiert längst
gestorben.“ Er zerrt an den üppig wuchernden Efeuranken herum, die sich viel zu
fest an den alten Stein klammern. Anke unterstützt ihn dabei mit wachsender Neugier. Mit viel Mühe gelingt es den
beiden, den unteren Teil des Steins Stück für Stück freizulegen. Eine weitere
Zeile verwitterter Buchstaben ist zu ertasten. Nicht lange und sie entziffern die
alte Schrift. ANKE WOLFSGRUBER ist am 3. Oktober 1511 gestorben. Anke erschrickt. „Dann ist diese
ANKE ja nur zwanzig Jahre alt geworden.“ Wie traurig. Ob das auch ihr
eigenes Schicksal ist? Warum mag vor fast fünfhundert Jahren ein Mädchen so
jung gestorben sein, noch dazu ein Mädchen mit ihrem Namen? Sie fühlt sich
irgendwie sofort verbunden mit dieser ANKE von damals. Als wäre sie eine große
Schwester, die ihr nah ist und doch unerreichbar. Fast als wäre sie jenes
Schwesterchen, das sie leider nicht hat, von dem sie aber manchmal träumt. „Hallo, Schwesterchen“, flüstert
sie unwillkürlich, ohne es zu merken. „So eine uralte Namensschwester zu
haben, ist schon nicht alltäglich“, meldet sich Frank nach dem langen Schweigen
wieder zu Wort. „Warum mag sie so jung gestorben
sein?“, überlegt Anke nun laut. „Sicher ist damals eine sehr traurige
Geschichte passiert.“ Frank nickt zustimmend. Die
Fragen, die er Anke eigentlich heute stellen wollte, behält er besser für sich.
Wer weiß, wie Anke darauf reagiert hätte. So kommt ihm die Entdeckung dieser
ANKE aus alten Zeiten recht gelegen.