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 "Die
zwei Leben der Hellen Schätzler" von
Katharina Storck-Duvenbeck/ Günter Baum
Taschenbuch
Format 12x19cm, 68 Seiten Preis: 9,50 €
ISBN
978-3-939883-15-9
Buchumschlag-Gestaltung/Foto Christine
Bienert
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Inhalt:
Karina Schätzler findet Briefe ihrer verstorbenen Mutter
Hellen. Neugierig beginnt sie zu lesen, taucht in die Gefühlswelt eines Mannes
ein, der offensichtlich über Jahre hinweg der Geliebte ihrer Mutter war.
Zerrissen von dem Gedanken, ihr Leben lang
betrogen worden zu sein, andererseits fast schon süchtig nach den Zeilen
des Unbekannten, entschließt sie sich, ihm zu schreiben. Ein reger Briefwechsel
beginnt, Schließlich kommt es zur schicksalhaften Begegnung ...
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Katharina Storck, geboren 1968 in Thalmässing. Sie ist Mutter von vier Kindern
und lebt mit ihrer Familie in Roth. Veröffentlichungen in zahlreichen Anthologien, im
Rundfunk und im Fernsehen. Im Verlag sind folgende Bücher von ihr erschienen: "Keimende
Kraft und blühendes Leben", "Die
Suppenlative", und zusammen
mit Günter Baum "Geheimnis
einer Bank" . Sie
ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller.
Mit
ihren Texten ist
auch in den folgenden
Anthologien des Verlages vertreten: "Natur",
"Blumengrüße"
, "Fröhliche Weihnachten 2" |
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Günter
Baum wurde 1936 in Görlitz geboren. Seine
ersten Texte erschienen unter dem Pseudonym Waltraud
Günter. Heute schreibt er unter seinem bürgerlichen
Namen, Novellen, Erzählungen, Romane und auch
Lyrik. In Franken ist er durch eine Geschichtsnovelle
bekannt. Auszeichnung:
Zwei Mal Dichterwohnung Soltau. Folgendes
Buch ist ebenfalls von ihm in diesem Verlag erschienen:
"Geheimnis
einer Bank"
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Geplante Lesungen zum Buch
Textauszug
Sehr geehrter Herr Sander oder soll ich doch schreiben:
Lieber Herr Sander?
Sie kennen mich nicht und ich hatte
bis vor kurzem keine Ahnung von Ihrer Existenz. Nun aber ist etwas geschehen,
was die Anschauung meines Familien-, Lebens-, ich möchte fast sagen Weltbildes
erschüttert hat, wie ein gewaltiges Beben. Solch ein Beben zerstört, vernichtet,
verschüttet, bringt Leid und Schmerz mit sich und doch legt es auch jahrelang
Verborgenes frei und ist auch immer die Chance für einen Neubeginn, eine neue
Sicht der Dinge, der letzte Schubs, den man gebraucht hat, um sein Leben, seine
Betrachtensweise in neue Bahnen zu lenken. Der Staub hat sich noch nicht gelegt.
Doch will ich von Anfang an berichten
und kann nicht umhin, mit dem Schmerzlichsten zu beginnen: Meine Mutter, Hellen Schätzler,
geborene Illmann, ist am 9.04. dieses Jahres an den Folgen eines Hirnschlags verstorben.
Wenn man in dieser Situation Trost finden kann, dann alleine in der Tatsache,
dass sie nicht leiden musste. So wie ihr Leben war, so auch das Verlassen
desselbigen. Kurz, entschlossen, unberechenbar. Vielleicht haben Sie schon Nachricht
erhalten, auf welchem Weg auch immer. Vielleicht waren Sie sogar auf der Beerdigung?
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch
nichts von Ihnen, die Zeremonie ist mir nur schemenhaft in Erinnerung und beim
Tasten im zähen Nebel kann ich Ihr Gesicht nicht ausfindig machen. Bis zum Tod meines Vaters – und
darüber hinaus, war ich der Meinung, meine Eltern hatten eine glückliche Ehe
geführt. Glücklich klingt vielleicht etwas hochtrabend, ich meine im Sinn von
zufrieden, Einklang, Harmonie. Die quälende Aufgabe die Wohnung
meiner Mutter aufzulösen, ihre persönliche Habe zu sortieren, ihre Lieblingsbilder
von der Wand zu nehmen, oblag mir. Sie kannten diese Frau, sie kannten
Seiten an ihr, die mir gänzlich unbekannt waren und ich denke, Sie können erahnen, mit welchen
Gefühlsturbulenzen ich zu kämpfen hatte. Und dann fand ich, tief verborgen im
Schrank, diese Blechbüchse. Ein schönes Stück, antik, Leben ausstrahlend. Ich
öffnete sie und fand darin Briefe. Briefe sind wichtig, Briefe können
Erinnerungen auffrischen, erzählen viel. So schloss ich die Dose und stellte
sie zu den Dingen, die ich aufbewahren und bei Gelegenheit genauer sichten
wollte. Keine fünf Minuten später unterbrach
ich meine Arbeit und öffnete die Dose erneut. Mein Unterbewusstsein hatte die
Initialen R.S. aufgegriffen, doch ich kam auf keinen Namen, den ich mit meiner
Mutter in Zusammenhang bringen konnte. So nahm ich den obersten Brief
heraus, um festzustellen, dass es nicht eine Sammlung alter Zeiten, bzw. unterschiedlicher
Absender war, sondern ein Stück Leben meiner Mutter, von dem ich bisher nicht
die leiseste Ahnung gehabt hatte. Mehr als 200 Briefe, fein säuberlich nach
Datum sortiert, allein, das wollte so gar nicht zu ihr passen. Ich hoffe, Sie können mir verzeihen.
Ich habe sie gelesen, konnte nicht anders, tauchte ein in diese, Ihre Welt, mit
einer Mischung aus Neugier, Entsetzen, Bewunderung, Erstaunen, Tränen, Gänsehaut.
Es lässt mich nicht mehr los. Ich
lebe in diesen Bildern, Sätzen, Gefühlen und so viele Fragen tun sich auf.
Ihr kann ich sie nicht mehr stellen,
aber Sie könnten meine Rettung sein. Es mag merkwürdig scheinen, aber ich
bitte Sie von ganzem Herzen, erzählen Sie mir von ihr, von sich, von dieser
glücklich-unglücklichen Liebe, die vor nichts Halt gemacht hat und doch keine
Beziehung war. Ich hoffe, mich nicht in Ihnen
getäuscht zu haben und verbleibe mit dem innigen Wunsch, Antwort zu erhalten.
Ihre Karina Schätzler
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