img14.gif
www.schmoeker-verlag.de

"Die zwei Leben der Hellen Schätzler"
von Katharina Storck-Duvenbeck und Günter Baum

  

  

  



"Die zwei Leben der Hellen Schätzler"

von Katharina Storck-Duvenbeck/
Günter Baum

Taschenbuch
Format 12x19cm,
68 Seiten
Preis: 9,50 €

ISBN 978-3-939883-15-9

 Buchumschlag-Gestaltung/Foto
Christine Bienert

 

  

Inhalt:

Karina Schätzler findet Briefe ihrer verstorbenen Mutter Hellen. Neugierig beginnt sie zu lesen, taucht in die Gefühlswelt eines Mannes ein, der offensichtlich über Jahre hinweg der Geliebte ihrer Mutter war. Zerrissen von dem Gedanken, ihr Leben lang  betrogen worden zu sein, andererseits fast schon süchtig nach den Zeilen des Unbekannten, entschließt sie sich, ihm zu schreiben. Ein reger Briefwechsel beginnt, Schließlich kommt es zur schicksalhaften Begegnung ...
 

Katharina Storck, geboren 1968 in Thalmässing. Sie ist Mutter von vier Kindern und lebt mit ihrer Familie in Roth. Veröffentlichungen in zahlreichen Anthologien, im Rundfunk und im Fernsehen. Im Verlag sind folgende Bücher von ihr erschienen:  "Keimende Kraft und blühendes Leben", "Die Suppenlative", und zusammen mit Günter Baum "Geheimnis einer Bank" .
Sie ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller.
Mit ihren Texten ist auch in den folgenden Anthologien des Verlages vertreten: "Natur", "Blumengrüße" , "Fröhliche Weihnachten 2"

Günter Baum wurde 1936 in Görlitz geboren. Seine ersten Texte erschienen unter dem Pseudonym Waltraud Günter. Heute schreibt er unter seinem bürgerlichen Namen, Novellen, Erzählungen, Romane und auch Lyrik. In Franken ist er durch eine Geschichtsnovelle bekannt. Auszeichnung: Zwei Mal Dichterwohnung Soltau. Folgendes Buch ist ebenfalls von ihm in diesem Verlag erschienen: "Geheimnis einer Bank"

Geplante Lesungen zum Buch

 Textauszug  

Sehr geehrter Herr Sander
oder soll ich doch schreiben: Lieber Herr Sander?

Sie kennen mich nicht und ich hatte bis vor kurzem keine Ahnung von Ihrer Existenz. Nun aber ist etwas geschehen, was die Anschauung meines Familien-, Lebens-, ich möchte fast sagen Weltbildes erschüttert hat, wie ein gewaltiges Beben.
Solch ein Beben zerstört, vernichtet, verschüttet, bringt Leid und Schmerz mit sich und doch legt es auch jahrelang Verborgenes frei und ist auch immer die Chance für einen Neubeginn, eine neue Sicht der Dinge, der letzte Schubs, den man gebraucht hat, um sein Leben, seine Betrachtensweise in neue Bahnen zu lenken.
Der Staub hat sich noch nicht gelegt.
Doch will ich von Anfang an berichten und kann nicht umhin, mit dem Schmerzlichsten zu beginnen:  Meine Mutter, Hellen Schätzler, geborene Illmann, ist am 9.04. dieses Jahres an den Folgen eines Hirnschlags verstorben. Wenn man in dieser Situation Trost finden kann, dann alleine in der Tatsache, dass sie nicht leiden musste. So wie ihr Leben war, so auch das Verlassen desselbigen. Kurz, entschlossen, unberechenbar.
Vielleicht haben Sie schon Nachricht erhalten, auf welchem Weg auch immer. Vielleicht waren Sie sogar auf der Beerdigung?
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von Ihnen, die Zeremonie ist mir nur schemenhaft in Erinnerung und beim Tasten im zähen Nebel kann ich Ihr Gesicht nicht ausfindig machen.
Bis zum Tod meines Vaters – und darüber hinaus, war ich der Meinung, meine Eltern hatten eine glückliche Ehe geführt. Glücklich klingt vielleicht etwas hochtrabend, ich meine im Sinn von zufrieden, Einklang, Harmonie.
Die quälende Aufgabe die Wohnung meiner Mutter aufzulösen, ihre persönliche Habe zu sortieren, ihre Lieblingsbilder von der Wand zu nehmen, oblag mir.
Sie kannten diese Frau, sie kannten Seiten an ihr, die mir gänzlich unbekannt waren und ich denke, Sie können erahnen, mit welchen Gefühlsturbulenzen ich zu kämpfen hatte.
Und dann fand ich, tief verborgen im Schrank, diese Blechbüchse. Ein schönes Stück, antik, Leben ausstrahlend. Ich öffnete sie und fand darin Briefe.
Briefe sind wichtig, Briefe können Erinnerungen auffrischen, erzählen viel. So schloss ich die Dose und stellte sie zu den Dingen, die ich aufbewahren und bei Gelegenheit genauer sichten wollte.
Keine fünf Minuten später unterbrach ich meine Arbeit und öffnete die Dose erneut.
Mein Unterbewusstsein hatte die Initialen R.S. aufgegriffen, doch ich kam auf keinen Namen, den ich mit meiner Mutter in Zusammenhang bringen konnte.
So nahm ich den obersten Brief heraus, um festzustellen, dass es nicht eine Sammlung alter Zeiten, bzw. unterschiedlicher Absender war, sondern ein Stück Leben meiner Mutter, von dem ich bisher nicht die leiseste Ahnung gehabt hatte. Mehr als 200 Briefe, fein säuberlich nach Datum sortiert, allein, das wollte so gar nicht zu ihr passen.
Ich hoffe, Sie können mir verzeihen. Ich habe sie gelesen, konnte nicht anders, tauchte ein in diese, Ihre Welt, mit einer Mischung aus Neugier, Entsetzen, Bewunderung, Erstaunen, Tränen, Gänsehaut. Es lässt mich nicht mehr los. Ich lebe in diesen Bildern, Sätzen, Gefühlen und so viele Fragen tun sich auf. Ihr kann ich sie nicht mehr stellen, aber Sie könnten meine Rettung sein.
Es mag merkwürdig scheinen, aber ich bitte Sie von ganzem Herzen, erzählen Sie mir von ihr, von sich, von dieser glücklich-unglücklichen Liebe, die vor nichts Halt gemacht hat und doch keine Beziehung war.
Ich hoffe, mich nicht in Ihnen getäuscht zu haben und verbleibe mit dem innigen Wunsch, Antwort zu erhalten.

Ihre Karina Schätzler