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                                       "Von Zuckerschiffen und Hamstertouren"

 

  

 

Kurzgeschichten
von Rosalie Bruns

Ein Stück Zeitgeschichte aus der Region Hannover, anrührend und humorvoll erzählt

Taschenbuch,
Format 14,8x21cm,
84 Seiten
Preis: 9,90 €
ISBN
978-3-9809142-8-4
(ISBN  3-9809142-8-3)

Hardcover-Ausgabe,
als Sonderband
z.Zt vergriffen

Buchumschlag-Gestaltung:
Christine Bienert

 

 

  

Inhalt:

Während der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit die Vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts überschatteten, wuchs Rosalie Bruns in Seelze (Region Hannover) heran. Mit ihren Geschichten läßt sie ihre Kindheit aus einer Zeit lebendig werden, die das Schicksal so vieler Menschen unauslöschlich geprägt hat.
Doch es gab nicht nur Schreckenstage, wie jener, als sie ihren kleinen Freund verlor. Es ereigneten sich auch Episoden zum Schmunzeln, die beispielsweise eine ihrer „Hamstertouren“ im wahrsten Sinne des Wortes versüßten. Ein abschließendes Kapitel hat sie der Küche aus ihren Kindertagen gewidmet und stellt alte Rezepte vor.

  Autorin:

Rosalie Bruns wurde 1937 geboren und lebt in Seelze in der Region Hannover. Sie kam nach 35 Jahren gemeinsamer Arbeit mit ihrem Mann in der von beiden geführten Tischlerei erst spät zum Schreiben und hat seit 2002 neben einem Lyrikband auch Lyrik und Kurzgeschichten in zahlreichen Anthologien veröffentlicht. Ihre Texte sind auch in den folgenden Anthologien des Verlages vertreten: "Liebe", "Fröhliche Weihnachten", "Natur", "Blumengrüße". Außerdem erschienen im Verlag ihre Bücher: "Träume wie Ebbe und Flut", "Sah ich einen Regenbogen", "Das Erbe der Zuckerschiffe" (Fortsetzung dieses Buches)

 
Geplante Lesungen zum Buch 

bullet_greenfire.gif Medienstimmen, u.a.:
Leine - Zeitung, 18. Oktober  2005
Radio Flora, Interview mit Kurzlesung, 20.10.2005
Mindener Tageblatt, 14. November 2005
Neustädter Zeitung, 02. August   2006
Leine - Zeitung, 22. September 2006
Mindener Tageblatt, 25. Oktober   2006
Mindener Tageblatt, 14. November  2006
Mindener Tageblatt, 25.April 2007
Mindener Tageblatt, 2.Mai  2007
Vlothoer Anzeiger, 27.April 2007
Vlothoer Anzeiger, 2.Mai 2007
Radio Herford, 10.Dezember 2007
Tageszeitung NW-Bünde,10.12.2007
Bünder Zeitung, 14.12.2007


Textauszug
:

Als der Zug für mich anhielt

Der Sommer 1943 neigte sich dem Ende zu. Bald müssten wir Abschied von der nahen Badeanstalt nehmen; die Tage wurden kühler und das Schwimmen in der nahen Badeanstalt war für dieses Jahr vorbei. So ganz klappte es bei mir ja noch nicht, aber wenn meine große Schwester dabei war, durfte ich mit. Solange das Wetter noch halbwegs gut war, spielten wir auf der Straße. Wir, das waren Inge, Helga, Friedrich, Klaus und Heinz. Klaus und Helga wohnten in den Häusern der chemischen Fabrik mit den schönen großen Fenstern, wir anderen in den Siedlungshäusern der Ulmenstraße. Wir waren eine verschworene Gemeinschaft. Ein paar meiner Spielkameraden waren schon zwei Jahre älter als ich, doch das spielte keine wesentliche Rolle.
Alles hätte wunderbar sein können, hätte uns nicht so oft die Sirene mitten aus dem schönsten Spiel herausgeholt und daran erinnert, daß Krieg war. Dann stoben wir auseinander, um auf dem schnellsten Weg nach Hause zu laufen. Der Krieg gehörte 1943 in Seelze zu unserem Alltag. Wenn wir auch nicht alles verstanden, um die Gefahr aber wußten wir sehr wohl.
Die Ulmenstraße aber blieb unser Spielplatz. Zur Zeit standen Glasmurmeln hoch im Kurs. Klaus besaß eine ganze Sammlung dieser bunten Kugeln und ich bettelte zu Hause so lange, bis auch ich ein Päckchen davon bekam. Es dauerte nicht mehr lange, da besaß jeder von uns eine beachtliche Sammlung dieser bunten Glaskugeln. Klaus hatte die meisten. Er hatte ohnehin immer die schönsten und teuersten Spielsachen, da konnten wir anderen nicht mithalten. Einmal verteilte er kleine Kärtchen an uns, die in der Mitte geteilt werden konnten. Es waren Einladungen zu seinem achten Geburtstag. Auf die abgeschnittene Hälfte sollten wir schreiben, ob wir die Einladung annahmen oder nicht. Wir Kinder sagten alle zu. Als gemeinsames Geschenk nahmen wir ein Buch über Aquariumfische mit. Friedrichs Vater hatte es günstig besorgt. Zum Geburtstag durfte ich mein blaues Kleid mit den weißen gestickten Blümchen anziehen. Eigentlich mein Sonntagskleid, aber Mutter bestand darauf, daß ich ordentlich gekleidet losging. Mein Haar wurde gebürstet, bis es glänzte und die Hahnenkammrolle saß heute besonders gut.
Wir trafen uns vor dem Haus. Natürlich waren wir ein bißchen früh da. Friedrich, der bereits eine Armbanduhr sein eigen nannte, gab Punkt drei das Zeichen zum Klingeln. Eine junge Frau mit einer kleinen weißen Schürze öffnete die Tür, ließ uns eintreten und bat uns einen kleinen Augenblick zu warten. Dann kam Klaus mit seiner Mutter in die Diele, um uns zu begrüßen. Wir gratulierten ihm und überreichten unser Geschenk. Klaus trug einen blauen Anzug mit Fliege, seine Mutter ein dunkles Kleid mit weißem Spitzenkragen und eine goldene Uhr an einer langen Halskette. Wir Kinder waren alle etwas befangen. Unsere Mütter hatten ständig etwas zu tun und trugen einfachere Kleider. Einen Jungen mit Fliege hatte ich überhaupt noch nicht gesehen. Wir wurden in ein Zimmer mit einem großen, bereits gedeckten Tisch geführt. Das Mädchen mit der weißen Schürze bediente uns. Klaus Mutter erwies sich als sehr freundlich; langsam verloren wir unsere Scheu.
Nach dem Kaffee durften wir in ein anderes Zimmer gehen, das offensichtlich das Zimmer unseres Spielkameraden war. An der Stirnseite stand ein Klavier, in einer Ecke des Raumes entdeckte ich ein altes Schaukelpferd aus Holz mit einer langen Mähne. Neben einem Schreibtisch stand auf einem kleinen Tischchen ein Globus. Das ganze Zimmer war aufgeräumt, alles schien an seinem Platz zu stehen. Hatten wir zunächst befürchtet, nichts anfassen zu dürfen, waren wir angenehm überrascht, als Klaus seine besten Spielsachen hervorholte. Es wurde ein schöner Geburtstag, den auch Klaus sehr zu genießen schien. Um sechs Uhr war dann der ganze Zauber vorbei.
So richtig ausgelassen aber waren wir auf der Straße. Dort konnten wir auch ungehindert Fußball spielen. Ein Spiel, das ich gern mitmachte, nur meine Eltern schimpften, wenn sie mich dabei erwischten. „Das schickt sich nicht für Mädchen“, wurde mir gesagt, doch ich hatte immer den Verdacht, daß der Hauptgrund dieses Verbots mein stets etwas ramponierter rechter Schuh war. Schuhe mußten geschont werden, man kaufte nicht mal eben ein paar neue.
Doch heute war alles etwas anders. Gleich nach dem Mittagessen trafen wir uns draußen. Klaus kam schon wieder mit neuen Spielsachen, die er uns voller Stolz vorführte. Eigentlich war er ja ein netter Junge, doch heute durften wir nicht mit seinen neuen Sachen spielen. Irgendwie machte mich das wütend. „Dann spiel doch alleine mit deinen Sachen“, rief ich.
„Warum bringst du sie denn erst mit?“
Auch die anderen waren verärgert. Heinz und Friedrich versuchten zu schlichten, doch irgendwie war der Spaß am Spielen vorbei. Da auch ich etwas Neues beitragen wollte, was mich aus der Gruppe hervorhob, erzählte ich, daß ich sowieso keine Zeit mehr hätte, weil ich pünktlich um vierzehn Uhr auf dem Seelzer Bahnhof sein müsse, um meinem Vater das Mittagessen zu bringen. Das war ja nun nichts Besonderes, doch als ich noch hinzufügte, daß der Güterzug mit meinem Vater auf der Lok extra aus diesem Grund auf dem Bahnhof halten werde, lachten mich alle aus.
Ausgelacht zu werden konnte ich nicht ertragen, schließlich war ich schon einige Male mit dem Kochgeschirr zum Bahnhof gegangen, um Vater sein Essen zu bringen. Manchmal mußte ich einen Augenblick warten, doch meistens war der Zug pünktlich. Und nun lachten alle über mich und das angebliche Märchen, das ich ihnen erzählte. Wütend trat ich mit dem Fuß auf. Den Zornestränen schon recht nahe rief ich ihnen zu: „Wenn ihr mir nicht glauben wollt, dann kommt doch mit.“
Nun sahen sie sich etwas unsicher an, glaubten aber die Geschichte noch immer nicht. Schließlich beschlossen sie, Heinz möge doch seinen Vater fragen, ob meine Geschichte stimmen könne. Nach einer Weile kam er wieder und erzählte, daß sein Vater der Meinung sei, ich hätte wohl ein wenig geflunkert. Züge führen schließlich nach Fahrplan und hielten sicher nicht für ein kleines Mädchen und seinen Vater, damit dieser ein Mittagessen in Empfang nehme könne. Daraufhin lachten sie erneut über mich. Wütend ließ ich meine Spielkameraden stehen.

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