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Mit
autobiografischen Geschichten und Gedichten aus ihrem Leben nimmt die Autorin
ihre Leser auf eine Reise in die vergangenen Jahrzehnte mit. Anrührende
Begebenheiten lassen innehalten. Humorvolles steht ebenso im Vordergrund wie
die Liebe. Diese
Geschichten aus der Region Hannover sind eine Fortsetzung des Buches "Von
Zuckerschiffen und Hamstertouren", die die Kinderjahre der Autorin während
des Krieges geprägt haben. "Das Erbe der Zuckerschiffe" beschreibt
nun das Leben nach jener Zeit. Ergänzt werden die Geschichten vereinzelt
durch passende Lyriktexte der Autorin.
13.
Oktober Leine-Zeitung Vorankündigung zur Buchpräsentation
21. Oktober Bericht über die Buchpräsentation, Leine-Zeitung
21. Oktober Bericht über die Buchpräsentation, Umschau
seit 23.Oktober läuft im Seelzer TV ein Bericht von der Buchpräsentation 25.
November2009Leine-Zeitung 28.
November2009Leine-Zeitung 02.
Dezember2009Leine-Zeitung 02.
Dezember2009Umschau
Die Zeit der Zuckerschiffe und Hamstertouren war
vorbei. Mit ihr der größte Teil meiner Kinderjahre. Jahre, die wie eingebrannt
auf meiner Seele lagen. War auch der Krieg vorbei, die Schulzeit war es noch
nicht. Doch zunächst einmal entfiel von April bis November
1945 jeglicher Unterricht bei uns in Seelze. Die Besatzer hatten die gesamte
Schule einschließlich der Turnhalle belegt. Bei der Wiederaufnahme im November
machten wir beim Stand des Frühjahres weiter. Die verlorenen Monate nachzuholen,
ging schon deshalb nicht, weil durch die Aufnahme der Flüchtlinge die Klassen
total überfüllt waren. Ja, es musste sogar zusätzlich am Nachmittag unterrichtet
werden. Der Winter 1945/46 bescherte uns nicht nur draußen
eisige Kälte, auch die Klassenräume blieben mangels Heizmaterial eiskalt. So saßen
wir in den Wintermonaten dick angezogen auf unseren Schulbänken. Erfreulich in
dieser Zeit war, dass unser Klassenverband bis auf wenige Ausnahmen wieder
zusammensitzen konnte, damit das Umfeld von vertrauten Mitschülern erhalten
blieb. Ich hatte wieder meinen Platz in der Nähe meiner Schulfreundin. Unser Klassenlehrer war neu. Ein Musikbegeisterter,
dessen Wunsch es war, dass ein jeder seiner Schüler ein Musikinstrument erlernen
sollte. Dafür setzte er sich vehement ein. Bis auf wenige Ausnahmen gelang es
ihm auch. Ich wollte Mandoline spielen, ein Seiteninstrument,
das auf wundersame Weise in unserer Familie gelandet war. Zunächst einmal lernten
wir Noten. Bis dahin hatte ich auch alles mitgelernt. Doch zu meinem Leidwesen
ist es mir nie gelungen, die Noten auf das Instrument umzusetzen, sosehr ich
mich auch bemühte. Wollte ich in der Gruppe bleiben, musste ich mir etwas
einfallen lassen. Talent für musikalische Aktionen war anscheinend vorhanden.
Die Melodien behielt ich schon nach kurzer Zeit. Also griff ich zu einer List,
bei der mir schon etwas mulmig zumute war. Ich saß inmitten der Gruppe, sah auf
die Noten vor mir und tremolierte eifrig mit. Sicher hatte ich den Vorteil,
nicht weit vorne zu sitzen. Ob mein Lehrer aus diesem Grund meine List nie
bemerkte oder sie bewusst übersah, sollte ich nie erfahren. Meiner Musiknote
tat diese kleine Schummelei keinen Abbruch. Natürlich gab es auch noch andere Dinge, die erlernt
werden mussten. Zum Beispiel im Handarbeitsunterricht. Eine noch sehr junge,
nette Lehrerin, war der Meinung, es sei an der Zeit, im Handarbeitsunterricht
Fortschritte zu machen. Wer hatte, der sollte zum nächsten Unterricht Garn und
Stricknadeln mitbringen, wenn möglich auch etwas Garn für jene, die nichts
dergleichen hatten. Kein Problem für mich. Da gab es in Mutters
Handarbeitsutensilien Wollreste in bunten Farben. Für ein paar Socken würden
die allemal reichen. Über Stricknadeln verfügte ich schon seit geraumer Zeit.
Mutter hatte uns bereits in frühester Kindheit dazu angehalten, mit Nadel und
Faden umzugehen. Im Winter war bei uns zu Hause immer Handarbeitszeit und
gerade Socken stricken war eine Notwendigkeit. Vater schaffte es immer wieder,
seine schwarzen Eisenbahnerstrümpfe an Hacken und Fuß zu durchlöchern. Also
schnitt Mutter kurzerhand den kaputten Fußteil ab. Neue Maschen wurden
aufgenommen. Schon bald konnte der nunmehr erneuerte Strumpf getragen werden. Ich konnte also schon Socken stricken wie so manches
Mädchen aus meiner Altersgruppe. Dass die Mädchen vom Dorf – Seelze war zu der
Zeit noch ein Dorf – an langen Wintertagen die Kunst des Handarbeitens sehr
früh erlernten, konnte unsere Handarbeitslehrerin nicht wissen. Voller Eifer
begann ich schon zu Hause mit einem bunten Socken. Bis zum nächsten Unterricht
war ich bereits über den Hacken hinaus. Natürlich strickte ich, wie Mutter es
mir beigebracht hatte, einen Patenthacken. Voller Freude und Stolz ging ich zum
nächsten Handarbeitsunterricht. Sicher würde meine Lehrerin voller Lob über
meine Handarbeit sein. Doch weit gefehlt. Es gab Schimpfe über meine, wie meine
Lehrerin meinte, Dreistigkeit, ihr so etwas als mein Werk vorzulegen. Mutter solle umgehend zur Schule kommen, dann würde
ich sicher was erleben. Sie nahm das Strickzeug mit den Worten: „Das kann deine
Mutter mit nach Hause nehmen“, und würdigte mich für den Rest der Stunde keines
Blickes mehr. Auf meinen Vorschlag, ihr doch umgehend vorzuführen, dass ich
sehr wohl schon stricken könne, ging sie nicht ein. Meine sonst immer so nette
Lehrerin glaubte mir nicht. Ich war den Tränen nahe, hätte am liebsten mit dem
Fuß aufgestampft. Das tat ich manchmal – sehr zum Ärger meiner Eltern. Doch
dazu fehlte mir dann doch der Mut. Mutter war von dem Vorfall nicht gerade begeistert.
Ging aber zur Schule, um den Vorfall aufzuklären ...