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 Ehemalige Buchvorstellung
"Das Erbe der Zuckerschiffe"

 

  

 

Kurzgeschichten/Lyrik
von Rosalie Bruns

Autobiografische Geschichten aus der Region Hannover aus der Nachkriegszeit

Taschenbuch,
Format 14,8x21cm,
112 Seiten
Preis: 9,90 €
ISBN
978-3-939883-17-3

Buchumschlag-Gestaltung:
Christine Bienert

 

 

  

Inhalt:

Mit autobiografischen Geschichten und Gedichten aus ihrem Leben nimmt die Autorin ihre Leser auf eine Reise in die vergangenen Jahrzehnte mit. Anrührende Begebenheiten lassen innehalten. Humorvolles steht ebenso im Vordergrund wie die Liebe.
Diese Geschichten aus der Region Hannover sind eine Fortsetzung des Buches "Von Zuckerschiffen und Hamstertouren", die die Kinderjahre der Autorin während des Krieges geprägt haben. "Das Erbe der Zuckerschiffe" beschreibt nun das Leben nach jener Zeit. Ergänzt werden die Geschichten vereinzelt durch passende Lyriktexte der Autorin.

  Autorin:

Rosalie Bruns wurde 1937 geboren und lebt in Seelze in der Region Hannover. Sie kam nach 35 Jahren gemeinsamer Arbeit mit ihrem Mann in der von beiden geführten Tischlerei erst spät zum Schreiben und hat seit 2002 neben einem Lyrikband auch Lyrik und Kurzgeschichten in zahlreichen Anthologien veröffentlicht. Ihre Texte sind auch in den folgenden Anthologien des Verlages vertreten: "Liebe", "Fröhliche Weihnachten", "Natur", "Blumengrüße". Außerdem erschienen im Verlag ihre Bücher: "Träume wie Ebbe und Flut", "Sah ich einen Regenbogen", "Von Zuckerschiffen und Hamstertouren"

 
bullet_greenfire.gif Medienstimmen, u.a.:

13. Oktober Leine-Zeitung Vorankündigung zur Buchpräsentation
21. Oktober Bericht über die Buchpräsentation, Leine-Zeitung
21. Oktober Bericht über die Buchpräsentation, Umschau
seit 23.Oktober läuft im Seelzer TV ein Bericht von der Buchpräsentation
25. November  2009   Leine-Zeitung
28. November  2009   Leine-Zeitung
02. Dezember  2009   Leine-Zeitung
02. Dezember  2009   Umschau

Textauszug:

Die  letzten Jahre meiner Kindheit

Die Zeit der Zuckerschiffe und Hamstertouren war vorbei. Mit ihr der größte Teil meiner Kinderjahre. Jahre, die wie eingebrannt auf meiner Seele lagen. War auch der Krieg vorbei, die Schulzeit war es noch nicht.
Doch zunächst einmal entfiel von April bis November 1945 jeglicher Unterricht bei uns in Seelze. Die Besatzer hatten die gesamte Schule einschließlich der Turnhalle belegt. Bei der Wiederaufnahme im November machten wir beim Stand des Frühjahres weiter. Die verlorenen Monate nachzuholen, ging schon deshalb nicht, weil durch die Aufnahme der Flüchtlinge die Klassen total überfüllt waren. Ja, es musste sogar zusätzlich am Nachmittag unterrichtet werden.
Der Winter 1945/46 bescherte uns nicht nur draußen eisige Kälte, auch die Klassenräume blieben mangels Heizmaterial eiskalt. So saßen wir in den Wintermonaten dick angezogen auf unseren Schulbänken. Erfreulich in dieser Zeit war, dass unser Klassenverband bis auf wenige Ausnahmen wieder zusammensitzen konnte, damit das Umfeld von vertrauten Mitschülern erhalten blieb. Ich hatte wieder meinen Platz in der Nähe meiner Schulfreundin.
Unser Klassenlehrer war neu. Ein Musikbegeisterter, dessen Wunsch es war, dass ein jeder seiner Schüler ein Musikinstrument erlernen sollte. Dafür setzte er sich vehement ein. Bis auf wenige Ausnahmen gelang es ihm auch.
Ich wollte Mandoline spielen, ein Seiteninstrument, das auf wundersame Weise in unserer Familie gelandet war. Zunächst einmal lernten wir Noten. Bis dahin hatte ich auch alles mitgelernt. Doch zu meinem Leidwesen ist es mir nie gelungen, die Noten auf das Instrument umzusetzen, sosehr ich mich auch bemühte.
Wollte ich in der Gruppe bleiben, musste ich mir etwas einfallen lassen. Talent für musikalische Aktionen war anscheinend vorhanden. Die Melodien behielt ich schon nach kurzer Zeit. Also griff ich zu einer List, bei der mir schon etwas mulmig zumute war. Ich saß inmitten der Gruppe, sah auf die Noten vor mir und tremolierte eifrig mit. Sicher hatte ich den Vorteil, nicht weit vorne zu sitzen. Ob mein Lehrer aus diesem Grund meine List nie bemerkte oder sie bewusst übersah, sollte ich nie erfahren. Meiner Musiknote tat diese kleine Schummelei keinen Abbruch.
Natürlich gab es auch noch andere Dinge, die erlernt werden mussten. Zum Beispiel im Handarbeitsunterricht. Eine noch sehr junge, nette Lehrerin, war der Meinung, es sei an der Zeit, im Handarbeitsunterricht Fortschritte zu machen. Wer hatte, der sollte zum nächsten Unterricht Garn und Stricknadeln mitbringen, wenn möglich auch etwas Garn für jene, die nichts dergleichen hatten. Kein Problem für mich. Da gab es in Mutters Handarbeitsutensilien Wollreste in bunten Farben. Für ein paar Socken würden die allemal reichen. Über Stricknadeln verfügte ich schon seit geraumer Zeit. Mutter hatte uns bereits in frühester Kindheit dazu angehalten, mit Nadel und Faden umzugehen. Im Winter war bei uns zu Hause immer Handarbeitszeit und gerade Socken stricken war eine Notwendigkeit. Vater schaffte es immer wieder, seine schwarzen Eisenbahnerstrümpfe an Hacken und Fuß zu durchlöchern. Also schnitt Mutter kurzerhand den kaputten Fußteil ab. Neue Maschen wurden aufgenommen. Schon bald konnte der nunmehr erneuerte Strumpf getragen werden.
Ich konnte also schon Socken stricken wie so manches Mädchen aus meiner Altersgruppe. Dass die Mädchen vom Dorf – Seelze war zu der Zeit noch ein Dorf – an langen Wintertagen die Kunst des Handarbeitens sehr früh erlernten, konnte unsere Handarbeitslehrerin nicht wissen. Voller Eifer begann ich schon zu Hause mit einem bunten Socken. Bis zum nächsten Unterricht war ich bereits über den Hacken hinaus. Natürlich strickte ich, wie Mutter es mir beigebracht hatte, einen Patenthacken. Voller Freude und Stolz ging ich zum nächsten Handarbeitsunterricht. Sicher würde meine Lehrerin voller Lob über meine Handarbeit sein. Doch weit gefehlt. Es gab Schimpfe über meine, wie meine Lehrerin meinte, Dreistigkeit, ihr so etwas als mein Werk vorzulegen.
Mutter solle umgehend zur Schule kommen, dann würde ich sicher was erleben. Sie nahm das Strickzeug mit den Worten: „Das kann deine Mutter mit nach Hause nehmen“, und würdigte mich für den Rest der Stunde keines Blickes mehr. Auf meinen Vorschlag, ihr doch umgehend vorzuführen, dass ich sehr wohl schon stricken könne, ging sie nicht ein. Meine sonst immer so nette Lehrerin glaubte mir nicht. Ich war den Tränen nahe, hätte am liebsten mit dem Fuß aufgestampft. Das tat ich manchmal – sehr zum Ärger meiner Eltern. Doch dazu fehlte mir dann doch der Mut.
Mutter war von dem Vorfall nicht gerade begeistert. Ging aber zur Schule, um den Vorfall aufzuklären ...

    

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